v.l. Revierförster Gerorg Nussbaumer, Franz u. Thomas Eng, von der Fa. Eng u. Sohn. Referat Strassenunterhalt.

Waldgang der Bürgergemeinde Lostorf

v.l. Revierförster Gerorg Nussbaumer, Franz u. Thomas Eng, von der Fa. Eng u. Sohn. Referat Strassenunterhalt.
v.l. Revierförster Gerorg Nussbaumer, Franz u. Thomas Eng, von der Fa. Eng u. Sohn. Referat Strassenunterhalt.

Auch bei uns gibt es einen Schutzwald
Der Vice-Präsident Thomas Schenker konnte am 29. August 2015 bei schönem Wetter und hochsommerlichen Temperaturen rund 80 interessierte Personen auf dem oberen Parkplatz beim Bad Lostorf begrüssen. Darunter Behördenmitglieder und Gäste aus den benachbarten Forstbetrieben. Eingeladen hatte die Einwohner- und Bürgergemeinde Lostorf. Verantwortlich für die Organisation waren der Bürgerrat und der Revierförster Georg Nussbaumer. Das Programm beinhaltete die Themen Schutzwald, Strassenunterhalt, Eschensterben und zum Schluss das obligate Zvieri. Nach einer kurzen Information durch den Förster, führte er die Teilnehmer in den angenehm kühlen Schwandenwald.

Schutzwald
Auch bei uns gibt es einen Schutzwald, nicht nur in den Alpen, dort ist jedoch sein Anteil viel grösser. Beim ersten Infoposten unterhalb des Vollenbrunnenreservoirs erläuterte der Förster, er ist seit 16 Jahren für den Lostorfer Wald verantwortlich, welche Schutzaufgaben der Wald bei uns hat. Die Wälder leisten einen wirksamen Schutz gegen Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag, Rutschungen und Murgängen. Dabei schützt der Wald die Menschen, Sachwerte, Verkehrswege und andere Infrastrukturen indem er die Gefahrenprozesse verhindert oder deren Einfluss reduziert. Am Beispiel des Schwandenbaches erklärte uns der Förster welchen Einfluss der Wald auf das Abflussverhalten des Regenwassers hat. Ungefähr die Hälfte der schweizerischen Wälder hat eine Schutzfunktion. Dies ist ein wichtiges Resultat des Projekts SilvaProtect-CH. Die Bedeutung des Waldes unter diesem Kontext zeigt, dass unter dem Thema Schutz auch andere Funktionen wie Klima, Lärm, Luft und Boden beeinflusst werden. Dies zeigt wie wichtig eine Nachhaltige Bewirtschaftung im Schutzwald ist.

Strassenunterhalt
Beim nächsten Posten im Gebiet Schlossweid erklärte der Förster die Entstehung der Waldstrassen und Fahrwegen. Diese wurden vor allem in den 30 Jahren erstellt. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise waren viele Leute arbeitslos. Diese wurden teilweise im Bau der Strassen eingesetzt. Damals wurden diese Arbeiten von Hand ausgeführt. Die Strassenkoffer wurden durch sogenannte „gestellte Steinbette“ erstellt. Dabei wurde jeder Stein aufgestellt und eingepasst. Die Strassenbreite betrug 2 Meter. Heute haben wir das Problem, dass mit breiten Fahrzeugen die Strassen mit 40 Tonnen befahren werden und dadurch die alten Steinbette in der Mitte aufgedrückt und zerstört werden. Dies führt dazu, dass die Waldstrassen mit grossem Aufwand wieder saniert werden müssen. In den vergangenen 10 Jahren wurden in Lostorf über eine halbe Million Franken in diese Strassensanierungen investiert. Die Bürgergemeinde Lostorf unterhält ein Strassennetz von 18 Km im Wert von rund 2,5 Mio. Die Einwohnergemeinde leistet einen jährlichen Beitrag von 20‘000 CHF an diesen Strassenunterhalt. Die Bürgergemeinden leisten einen gewaltigen Beitrag bezüglich dem Unterhalt des Strassennetzes, welches ja nicht nur für die Forstwirtschaft genutzt wird. Die ganze Forstbetriebsgemeinschaft Unterer Hauenstein, zu der auch die BG Lostorf gehört, unterhält ein Strassennetz inklusive der BG Olten von über 82 km, welches einen Wert von über 10 Mio. darstellt. Neben der Sanierung der Strassen ist auch der laufende Unterhalt enorm wichtig. Dafür wird pro Jahr rund 1.- CHF pro Laufmeter investiert. Dabei wird in erster Linie darauf geachtet, dass das Wasser richtig abläuft. Das Bankett wird beidseitig gemäht und das Lichtprofil für die LKWs wird freigeschnitten. Im Herbst wird der Strassenkörper ausgeblasen, damit kein Laub liegenbleibt, da sonst Humus entsteht und letztendlich den Strassenkörper destabilisiert. Zu diesen Arbeiten demonstrierte uns die Firma Eng und Sohn aus Niedergösgen, wie mit einem mit 6 Hartmetallsägeblättern bestückten, hydraulischen Traktoraufsatz ein Weglichtprofil bis 7m Höhe ausgeschnitten werden kann. Auch das Laub ausblasen der Strassen wurde mit einem 80 PS starken Laubgebläse eindrücklich demonstriert. Nachdem alle gestellten Fragen aus der Runde beantwortet waren, wurde der Weg zum nächsten Posten unter die Füsse genommen.

Eschensterben
Zum Eschensterben auch Eschenwelke genannt, wurde in den letzten Jahren viel in den Medien geschrieben. Von Szenarien die bis zum Totalausfall führen könnten. Das Gebiet Schwanden wo der diesjährige Waldgang durchgeführt wird, hatte bedingt durch die günstigen feuchten Bodenbedingungen grosse Eschenbestände. Der Revierförster informierte uns, dass ca. 13% des Baumbestandes aus Eschen besteht. Im Forstrevier Unterer Hauenstein ist jeder 8 Baum eine Esche. In den letzten 2 Jahren mussten grosse Zwangsholzschläge gemacht werden. So kann der Erlös wenigstens gesichert werden. Aus Eschenholz werden Produkte wie Werkzeugstiele und Möbel hergestellt. Der Grund für die Krankheit ist ein Pilz mit Namen „Falsche Weisse Stengelbecherchen“ aus der Unterabteilung der Echten Schlauchpilze. Er lebt auf den Blattspindeln abgeworfener Eschenblätter. Seine Nebenfruchtform „Chalara fraxinea“ löst das Eschensterben aus. Der Pilz soll seinen Ursprung in Japan haben. Die befallenen Bäume sterben langsam ab. Ein klares Zeichen sind die sich lichtenden Baumkronen. Wenn die Infektion am Stammfuss erfolgt, stirbt der Baum meist schnell ab. In der Forstwirtschaft wird in der nächsten Zeit nicht mehr auf die Esche gesetzt. Man erhofft sich, dass sich resistentere Spézies durchsetzen können und die Esche damit eine Ueberlebenschance erhält. Gedanklich noch bei diesem unerfreulichen Thema, begaben sich die Waldgänger auf den letzten Wegabschnitt zum Ziel bei der Hutzlenhütte. Dort war alles vorbereitet, um den aufgekommenen Hunger zu stillen und den Durst zu löschen. In einem kleinen Festzelt begrüsste der Bürgergemeindepräsident Armando Pagani die gutgelaunten Waldgänger. In einer kurzen Ansprache streifte er nochmals die Themen der einzelnen Posten und bedankte sich bei den Gästen für die Teilnahme. Er dankte Revierföster Georg Nussbaumer und der Bürgerschreiberin Susy Segna sowie den Ratskollegen für die Organisation dieses Waldganges. Einen speziellen Dank sprach er an die Mitglieder Waldarbeitsgruppe (WAG) aus. Die WAG wurde vom ehemaligen Bürgergemeindepräsident Bruno Carotta ins Leben gerufen. Diese erledigen von Frühling bis Herbst einmal im Monat an einem Samstagvormittag uneigennützig, im Dienste der Allgemeinheit, Arbeiten im Wald. Zum Abschluss lädt der Präsident alle zum Offerierten Zvieri und geselligem Beisammen sein ein.

Text & Foto Ernst Gubler, Bürgerrat Lostorf

 

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